Chronik der Bergschützenkapelle Anger!

Im Jahre 1799, also vor über 200 Jahren gründete Mathias Häusl, Webermeistersohn von Aufham mit sechs weiteren jungen Männern eine Musikkapelle in Anger. Die Bergschützenkapelle zählt somit zu den ältesten Musikkapellen in ganz Bayern. Zu dieser Zeit gehörte der heutige Rupertiwinkel noch zum Erzbistum Salzburg. Die Musikanten wurden zu vielen Festlichkeiten bis Reichenhall und Neukirchen geholt. Sie mußten entweder zu Fuß oder höchstens mit dem Pferdefuhrwerk große Wegstrecken zurücklegen. Mathias Häusl war auch der erste Kapellmeister, und übergab im Jahre 1840 die Leitung an seinen gleichnamigen Sohn.

Im Jahre 1842 kam König Ludwig I. nach Anger und feierte im Gasthaus Mayerhofen bei Höglwörth seinen 56. Geburtstag. Zu diesem Anlaß spielten die Angerer Musikanten zur Unterhaltung auf. Der Monarch war von der Kapelle derart begeistert, dass er Sie nach München einlud, und Sie dort 1846 staatlich prüfen ließ. Die Musikkapelle legte die Prüfung mit großem Erfolg ab, und durfte sich somit als “Königlich priviligierte Blasmusik Anger” bezeichnen.

1848 übernahm dann Josef Hunklinger (Gruberhäusl) vom Zellberg die Leitung der Kapelle. Fortan lag die Verantwortung 4 Generationen lang bis 1949 bei der Familie Hunklinger. In dieser Zeit wurde die Kapelle vor allem nach dem siegreichen Feldzug 1870/71 im weiten Umkreis gebraucht. Denn überall gab es Veteranenfeste, Fahnenweihen, Wallfahrten usw. Im Ersten Weltkrieg wurden alle Musikanten eingezogen, teils sogar als Militär- oder Batallionsmusikanten. Fünf Musikanten sind damals gefallen. Die Rückkehrer aber widmeten sich sofort wieder der Musik, und so blieb die Kapelle bestehen.

wiedergruendung46Eine besonders schwere Krise brachte der Zweite Weltkrieg mit sich, denn es kamen nur mehr fünf Musikanten zurück. Durch den unermüdlichen Einsatz des damaligen Kapellmeisters Hunklinger Georg jun. gelang es jedoch wieder junge Männer für das musizieren zu begeistern. Und so konnte beim Kirchweihmarkt in Anger 1946 schon wieder der erste Auftritt absolviert werden.

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1949 feierte die Kapelle ihr 150 jähriges Gründungsfest zu dem 14 Musikkapellen, davon vier aus Österreich, anwesend waren. Die Nachbarn brachten auch ihre Marketenderinnen mit, die aus kleinen Holzfässern Schnaps ausschenken. Dieser Brauch war bei uns noch völlig unbekannt. Lorenz Berger, der letzte Faßbinder des Ortes und gleichzeitig Musikant der Kapelle, baute nun ebenfalls ein solches Faß. Somit war die Musikkapelle Anger die erste bayrische Kapelle die ein solches Faß verwendete. Das Originalfaß ist noch heute in Gebrauch.

Von 1949 bis 1955 hatte Franz Birnbacher das Kapellmeisteramt inne. Zu dieser Zeit wurde in Anger durch Mitglieder des örtlichen Trachtenvereins eine zweite Musikkapelle gegründet. Die Trachtenkapelle Anger-Höglwörth. Um Verwechslungen zu vermeiden wurde die Musikkapelle Anger in Bergschützenkapelle Anger umbenannt. Der Name bezieht sich auf die örtliche Gebirgschützenkompanie, der die Musikkapelle bis zu Ihrer Auflösung 1848 angehörte. Auch eine einheitliche Uniform wurde nun angeschafft, die sich an der Gebirgschützenuniform orientiert.

Die Nachfolge von Franz Birnbacher trat im Jahr 1955 Josef Graspointner (Großlechner) vom Reitberg an. Er konnte das Niveau der Kapelle ständig steigern und Ihr einen eigenen Stil aneignen, der Sie in der ganzen Gegend unverwechselbar machte. Er war einer der ersten, der die Blasmusikstücke mit seinem Gesang gekonnt bereicherte. Die Musikanten wurden zu vielen Veranstaltungen in der Umgebung engagiert und konnten große Erfolge feiern.

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1974 gab es wieder ein großes Musikfest in Anger. Die Kapelle feierte ihr 175 jähriges Bestehen. Einen Höhepunkt stellte dabei das Gastspiel von Gottlieb Weißbacher mit seinen Inntaler Musikanten dar, die wahre Begeisterungsstürme auslösten.

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Von 1983 bis 1987 leitete Lorenz Berger die Kapelle weiter, der sich auch durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Jungmusikantenausbildung besondere Verdienste erwarb.

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Hans Wadispointner übernahm dann 1987 das Kapellmeisteramt und verstand es mit viel Engagement die Kapelle bis 2002 weiterzuführen. Noch bis Heute füllt er das Amt des Vorstands aus, und hat dabei nichts von seinem Elan verloren. In seine Wirkungszeit fällt das große Musikfest 1999 zum 200 jährigen Bestehen.

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Von 2002 bis 2005 leitete Lackner Georg jun. aus Aufham die Kapelle und verstand es die Kapelle weiter zu verjüngen und im Bereich der konzertanten Blasmusik weiterzuentwickeln.

Seit 2005 hat Christian Häusl das Kapellmeisteramt inne und legt seither den Hauptaugenmerk vor allem auf den Bereich der traditionellen bayrischen und böhmischen Blasmusik. Dabei bleibt die Gaudi nicht auf der Strecke, und es kann von einer hervorragenden Harmonie und Kameradschaft innerhalb der Kapelle gesprochen werden. Diese wird bestärkt durch viele Aktivitäten wie z.B. Eisstock- und Luftgewehrschießen oder auch die Musikausflüge.